„Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft, bewusste Konsumenten, Geschmacksvielfalt, und Wertschätzung gegenüber unserem Essen und denen, die es für uns produzieren. Wir denken global und handeln lokal. „ - SLOW FOOD YOUTH SCHWEIZ

Lieber Emanuel

Vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst um den Leserinnen & Lesern von SHAREAT.ch das Netzwerk „Slow Food Youth“ vorzustellen. Kannst du uns zu Beginn etwas zu Slow Food Youth erzählen? Was ist Slow Food Youth? Was ist das die Leidenschaft dahinter? Welches Ziel verfolgt ihr damit?
Slow Food Youth ist die nächste Generation des Vereins Slow Food. Wie unsere Mutterorganisation setzen wir uns ein für gute, sauber und faire Lebensmittel. Gut im Geschmack, sauber für die Umwelt und fair für die Produzenten der Lebensmittel. Wir lieben ehrliches Essen, und um so mehr wir darüber wissen um so besser. Am besten holt man sich alles direkt vom Produzenten, sowohl die Produkte wie auch die Information. Wir teilen gerne und hoffen so, etwas zu einer positiven, authentischen Esskultur beitragen zu können. Wir gehören zur nächsten Generation von Konsumenten und es liegt an uns, mit unserer Konsumverhalten das bestehende Lebensmittelsystem zu verändern. 

 Copyright: www.clickclick.ch

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SHAREAT-SLOWFOODSCHWEIZ

Nun zu dir: Wie bist du zu Slow Food Youth gekommen? Woher kommt deine Leidenschaft fürs Kochen und für saisonale Produkte aus der Region?
Ich stehe hinter dem Kochherd seit meine Mutter nicht alles zubereiten wollte, was mich interessierte, und das war schon früh und eine ganze Menge. Mit einigen Umwegen in exotischen Kochbüchern und diversen Nebenjobs in feinen Restaurants, merkte ich schliesslich, dass für das beste geschmackliche Resultat nur saisonale, möglichst lokale Rohstoffe in Frage kommen. 

Während meinem Studium an der Universität der Gastronomischen Wissenschaften im Piemont hatte ich die Chance, mich mit jungen Gastronomen aus aller Welt zu vernetzen. Diese Erfahrungen helfen mir zu entscheiden, worauf es mir wirklich ankommt, sie waren richtungsweisend in meiner gastronomischen Laufbahn. Mit meinem Engagement für SFY möchte ich auch anderen ähnliche Chancen bieten. 

Was hast Du immer in deinem Kühlschrank
Butter, der beste Geschmacksträger

Welches ist deine Lieblingsspeise? Verrätst du uns das Rezept dazu?
Ich liebe Abwechslung, esse ich an einem Tag Pasta, habe ich am nächsten keine Lust darauf. So fällt es mir leicht, spontan, nach Zutaten und dem Marktangebot zu kochen, nicht nach Rezepten. Kaum zurückhalten kann ich mich bei Leber, Zunge, Milke. Oder diesen Herbst war ich wieder verrückt nach Quitten: Vier Stunden im Ofen bei 140°C im leichten Zuckersirup (Z/W = 1/3) inklusive Kerngehäuse und Schalen in einem grossen Topf köcheln, dabei mit einem Teller beschweren – unglaublich aromatisch. 

Mit wem würdest du gerne mal die Küche teilen und warum?
Mit Fergus Henderson, einem Vorreiter der„Nose to Tail“ Bewegung. Sein Verständnis von sinnlichem Essen entspricht mir sehr, seine Restaurants in London sind ein Erlebnis, sein Buch eine Bibel.

Wie viele Mitglieder zählt Slow Food Youth und wie werde ich Mitglied? Wo besteht der Unterschied zur internationalen Slow Food-Bewegung? Wie sehen eure Treffen aus? Spürt ihr einen Mitglieder-Zuwachs seit der Trendwende zum „healthy Lifestyle“?
Unser Verein hat keine Mitglieder-Liste. Wer sich mit den Slow Food Werten identifizieren kann und mehr über sein Essen wissen will, sich zu uns an den monatlichen Stammtisch (Stadt Zürich) setzt oder an einem Projekt aktiv teilnimmt, gehört dazu. Viele von uns sind Mitglied bei Slow Food Schweiz und zahlen dort einen Beitrag (SF CH zählt mittlerweile etwa 4000 Mitglieder) – das ist aber für eine Teilnahme bei unseren Anlässen nicht Pflicht. 

Beeindruckend war, wie Anfang Oktober gut 2000 Aktivisten (ProduzentInnen, Marktfahrer, GastronomInnen, Köche, Agronomen...) der SFY Bewegung aus zahlreichen Nationen anlässlich einer Kundgebung an der Expo Milano sich getroffen und während einem viertägigen Programm zum Thema „We feed the Planet“ ausgetauscht haben. Ich habe dort junge Schweizer kennen gelernt, die zum ersten Mal mit Slow Food in Kontakt traten und seither regelmässig an einem Anlass dabei sind. 

Essen erhält in unserer Gesellschaft grundsätzlich wieder mehr Aufmerksamkeit und das Anliegen sich gesund zu ernähren, wird tatsächlich stark thematisiert. Wir spüren dieses Bedürfnis auch bei unseren Aktivitäten. Uns geht es aber nicht nur ums Individuum, denn der Entscheid für oder gegen ein Lebensmittel hat weiterreichende Konsequenzen für unser Netzwerk aus Menschen und Natur. Diät-Trends haben aber selten mit Wertschätzung für Esskultur zu tun. Das gute an Slow Food: Denkt man die Prinzipien konsequent durch, resultiert das in einer sehr ausgewogenen, abwechslungsreichen und immer wieder überraschenden Ernährung.  

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